homeofthechosen
27.09.2008, 18:46
Gottardo - der Bahnwanderweg an der Gotthardbahn
Teil 1 Göschenen -> Wassen -> Gurtnellen
Hallo Leute,
heute war ein perfekter Tag, schönes Wetter und ich hatte richtig Lust, mal wieder in die Berge zu fahren, auch um meine neue Kamera zu testen.
Ich wollte schon seit längerer Zeit mal an der Gotthardnordrampe bahnwandern und so fuhr ich nach einem Kaffee ganz früh mit dem InterRegio nach Göschenen.
Mein Tagespensum sah vor:
Göschenen -> Wassen 4,85 km Höhenunterschied: 208 m
( laut Reiseführer talwärtsin 1 h 40 zu schaffen )
Wassen - > Gurtnellen 4,35 km Höhenunterschied: 180m
( laut Reiseführer talwärts in 1 h 20 zu schaffen )
Erst wollte ich diesem Reiseführer nicht glauben, denn es ging ja talwärts, dachte ich. Aber es geht auf und ab wie bei ner Achterbahn. Ich habe dann im Enddefekt viel länger gebraucht, es war einfach zu schönes Wetter und so habe ich mich oft an Aussichtspunkte gesetzt und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen.
Aber vielleicht mal kurz was zum Startpunkt Göschenen:
Göschenen ist ein kleiner, aber dennoch geschichtsträchtiger Ort im Schweizer Kanton Uri. Geprägt durch Eisenbahn- und Strassentunnel, sowie das Kraftwerk Göschenen mit dem dazugehörigen Stausee auf der Göscheneralp. Göschenen ist von allen wichtigen Zentren der Schweiz her erreichbar und bietet zu dem mit der Schöllenenbahn, eine schmalspurige Zahnradbahnverbindung nach Andermatt und somit einen Anschluss an das Netz der MGB und der RhB
Als Bahnhof hat Göschenen seit der Fertigstellung des Gotthardstrassentunnels 1980 massiv an Bedeutung verloren. Bis 1980 gab es hier einen Autoverlad, mit dem sich die Italien-Urlauber die Fahrt über die Gotthard-Paßstrasse sparen konnten. Göschenen ist dennoch ein stark befahrener Bahnhof, einen Grossteil der Zugsfahrten macht jedoch heute der Güterverkehr aus. InterRegio und einige EuroCity-Züge halten in Göschenen, um den Anschluss an die Schöllenenbahn sicherzustellen. Es ist zu befürchten, dass Göschenen nach der Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels 2017 in der Versenkung verschwinden wird. Ansonsten ist Göschenen geprägt von der Bergwelt. In den Jahren des Bahntunnelbaus (ab 1872) war Göschenen jedoch natürlich eine Arbeiterstadt mit vielen Baracken und der dazugehörigen "Goldgräberstimmung". Trauriger Höhepunkt war der 28.07. 1875, als die Arbeiter einen Streik um bessere Arbeits und Lebensbedingungen begannen. An diesem Tag wurde von den Göschener Bürgern eiligst eine Bürgerwehr zusammengestellt, die bewaffnet wurde und schliesslich 4 italienische Arbeiter erschoss.
Sehenswert ist in Göschenen auf jeden Fall der Bahnhof, . Auf dem Bahnhofplatz gibt es einen von Favre gebauten Visierstollen für die Vermessung des Gotthardtunnels, den man kostenlos besichtigen kann. Und auf jeden Fall zu empfehlen ist eine Wanderung zur Schöllenen mit der sagenumwobenen Teufelsbrücke.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/csc_0091.jpg
Hier gibt es einen Blick auf die beiden Portale des Gotthard-Scheiteltunnels. Rechts oben sieht man das Trasseé der Schöllenenbahn nach Andermatt. Übrigens gibt es zwei zweigleisige Tunnelportale in Göschenen, obwohl der Gotthardtunnel ja nur zweigleisig ist . Grund ist der ehemalige Autoverlad. Um die Abläufe zu verbessern, schaffte man zusätzlich einen 200 m langen zweigleisigen Extratunnel, das ist der linke.
Direkt am Bahnhofsvorplatz ist dann auch schon der Bahnwanderweg angezeichnet. Man geht in Richtung des ehemaligen Autoverlades und dann verlässt man recht schnell das Bahnareal.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/csc_0092.jpg
Übrigens ist die Ausschilderung überall perfekt.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0002.jpg
Hier sehen wir das Unterwerk von Göschenen. Die Gotthardbahn wurde als erste SBB-Linie komplett auf elektrischen Betrieb umgestellt. Damals baute man für die Umspannstationen noch richtige Häuser. Übrigens sind alle sehenswerten Einrichtungen am Wanderweg mit so einem grossen Hinweisschild mit Erklärungen dazu versehen:
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0003.jpg
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0004.jpg
Zum Schutz der Signal- und Telefonleitungen stand an der Gotthardbahn alle 800 m eine solche einheitliche Kabelbude, hier die Bude 23 ks nördlich Göschenen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0006.jpg
2 Cargo-RE 421 ziehen einen Güterzug die Gotthardrampe hoch. Kurz vor Göschenen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0008.jpg
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0015.jpg
Der Weg war am Anfang sehr gut ausgebaut, doch je mehr man in die Wildnis kam, desto abenteuerlicher die Wege. Aber wer gut zu Fuss ist und ein wenig aufpasst, hat trotzdem keine Probleme.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0016.jpg
Von kleinen Rinnsalen bis zu grösseren Wasserfällchen ist unterwegs alles vertreten und dazu das atemberaubende Bergpanorama.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0022.jpg
Über diese Brücke muss man gehen, sie ist nur an einer Seite gesichert und wackelt manchmal ein wenig. Schwindelfrei sollte man sein und keine Höhenangst haben :D
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0026.jpg
Hier kann man deutlich die Enge des Reusstals sehen. Ganz klein hinten ist Wassen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0027.jpg
Schon früh haben die Urner (Einwohner des Kantons Uri) versucht, sich das Gelände an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Deswegen die Steinaufschüttungen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0032.jpg
Fast durch die Kapelle führt der Wanderweg. Es handelt sich hier um die Kapelle St. Josef in Wattingen oberhalb von Wassen. An der Kapellentür ist übrigens ein Münzschlitz, um für den Erhalt der Kapelle zu spenden. Gerüchten zufolge soll es Unglück bringen, wenn man dort keine Münze hineinwirft. Ich habe eine reingeworfen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0037.jpg
Der Bahnhof von Wassen ist nicht mehr besetzt. Reisezüge halten hier auch nicht mehr planmässig an. Früher war der Bahnhof ein wichtiger Granitumschlagplatz.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0038.jpg
Die wohl bekannteste Kirche der Schweiz, an der man bei einer Gotthardbahnreise bedingt durch die Kehrtunnelanlage drei mal vorbei fährt.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0041.jpg
Blick vom Kirchberg auf die oberste Kehrschleife. Dieser Zug fährt in Kürze in den nächsten Kehrtunnel, nochmal an der Kirche vorbei, um dann......
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0043.jpg
... ganz tief unter der Kirche wieder aufzutauchen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0042.jpg
Einen herrlichen Ausblick hat man hier.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0059.jpg
Ein letzter Blick auf die Kirche und wir verlassen Wassen talwärts ...
Teil 1 Göschenen -> Wassen -> Gurtnellen
Hallo Leute,
heute war ein perfekter Tag, schönes Wetter und ich hatte richtig Lust, mal wieder in die Berge zu fahren, auch um meine neue Kamera zu testen.
Ich wollte schon seit längerer Zeit mal an der Gotthardnordrampe bahnwandern und so fuhr ich nach einem Kaffee ganz früh mit dem InterRegio nach Göschenen.
Mein Tagespensum sah vor:
Göschenen -> Wassen 4,85 km Höhenunterschied: 208 m
( laut Reiseführer talwärtsin 1 h 40 zu schaffen )
Wassen - > Gurtnellen 4,35 km Höhenunterschied: 180m
( laut Reiseführer talwärts in 1 h 20 zu schaffen )
Erst wollte ich diesem Reiseführer nicht glauben, denn es ging ja talwärts, dachte ich. Aber es geht auf und ab wie bei ner Achterbahn. Ich habe dann im Enddefekt viel länger gebraucht, es war einfach zu schönes Wetter und so habe ich mich oft an Aussichtspunkte gesetzt und den lieben Gott nen guten Mann sein lassen.
Aber vielleicht mal kurz was zum Startpunkt Göschenen:
Göschenen ist ein kleiner, aber dennoch geschichtsträchtiger Ort im Schweizer Kanton Uri. Geprägt durch Eisenbahn- und Strassentunnel, sowie das Kraftwerk Göschenen mit dem dazugehörigen Stausee auf der Göscheneralp. Göschenen ist von allen wichtigen Zentren der Schweiz her erreichbar und bietet zu dem mit der Schöllenenbahn, eine schmalspurige Zahnradbahnverbindung nach Andermatt und somit einen Anschluss an das Netz der MGB und der RhB
Als Bahnhof hat Göschenen seit der Fertigstellung des Gotthardstrassentunnels 1980 massiv an Bedeutung verloren. Bis 1980 gab es hier einen Autoverlad, mit dem sich die Italien-Urlauber die Fahrt über die Gotthard-Paßstrasse sparen konnten. Göschenen ist dennoch ein stark befahrener Bahnhof, einen Grossteil der Zugsfahrten macht jedoch heute der Güterverkehr aus. InterRegio und einige EuroCity-Züge halten in Göschenen, um den Anschluss an die Schöllenenbahn sicherzustellen. Es ist zu befürchten, dass Göschenen nach der Fertigstellung des Gotthard-Basistunnels 2017 in der Versenkung verschwinden wird. Ansonsten ist Göschenen geprägt von der Bergwelt. In den Jahren des Bahntunnelbaus (ab 1872) war Göschenen jedoch natürlich eine Arbeiterstadt mit vielen Baracken und der dazugehörigen "Goldgräberstimmung". Trauriger Höhepunkt war der 28.07. 1875, als die Arbeiter einen Streik um bessere Arbeits und Lebensbedingungen begannen. An diesem Tag wurde von den Göschener Bürgern eiligst eine Bürgerwehr zusammengestellt, die bewaffnet wurde und schliesslich 4 italienische Arbeiter erschoss.
Sehenswert ist in Göschenen auf jeden Fall der Bahnhof, . Auf dem Bahnhofplatz gibt es einen von Favre gebauten Visierstollen für die Vermessung des Gotthardtunnels, den man kostenlos besichtigen kann. Und auf jeden Fall zu empfehlen ist eine Wanderung zur Schöllenen mit der sagenumwobenen Teufelsbrücke.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/csc_0091.jpg
Hier gibt es einen Blick auf die beiden Portale des Gotthard-Scheiteltunnels. Rechts oben sieht man das Trasseé der Schöllenenbahn nach Andermatt. Übrigens gibt es zwei zweigleisige Tunnelportale in Göschenen, obwohl der Gotthardtunnel ja nur zweigleisig ist . Grund ist der ehemalige Autoverlad. Um die Abläufe zu verbessern, schaffte man zusätzlich einen 200 m langen zweigleisigen Extratunnel, das ist der linke.
Direkt am Bahnhofsvorplatz ist dann auch schon der Bahnwanderweg angezeichnet. Man geht in Richtung des ehemaligen Autoverlades und dann verlässt man recht schnell das Bahnareal.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/csc_0092.jpg
Übrigens ist die Ausschilderung überall perfekt.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0002.jpg
Hier sehen wir das Unterwerk von Göschenen. Die Gotthardbahn wurde als erste SBB-Linie komplett auf elektrischen Betrieb umgestellt. Damals baute man für die Umspannstationen noch richtige Häuser. Übrigens sind alle sehenswerten Einrichtungen am Wanderweg mit so einem grossen Hinweisschild mit Erklärungen dazu versehen:
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0003.jpg
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Zum Schutz der Signal- und Telefonleitungen stand an der Gotthardbahn alle 800 m eine solche einheitliche Kabelbude, hier die Bude 23 ks nördlich Göschenen.
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2 Cargo-RE 421 ziehen einen Güterzug die Gotthardrampe hoch. Kurz vor Göschenen.
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Der Weg war am Anfang sehr gut ausgebaut, doch je mehr man in die Wildnis kam, desto abenteuerlicher die Wege. Aber wer gut zu Fuss ist und ein wenig aufpasst, hat trotzdem keine Probleme.
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Von kleinen Rinnsalen bis zu grösseren Wasserfällchen ist unterwegs alles vertreten und dazu das atemberaubende Bergpanorama.
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Über diese Brücke muss man gehen, sie ist nur an einer Seite gesichert und wackelt manchmal ein wenig. Schwindelfrei sollte man sein und keine Höhenangst haben :D
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Hier kann man deutlich die Enge des Reusstals sehen. Ganz klein hinten ist Wassen.
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Schon früh haben die Urner (Einwohner des Kantons Uri) versucht, sich das Gelände an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Deswegen die Steinaufschüttungen.
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Fast durch die Kapelle führt der Wanderweg. Es handelt sich hier um die Kapelle St. Josef in Wattingen oberhalb von Wassen. An der Kapellentür ist übrigens ein Münzschlitz, um für den Erhalt der Kapelle zu spenden. Gerüchten zufolge soll es Unglück bringen, wenn man dort keine Münze hineinwirft. Ich habe eine reingeworfen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0037.jpg
Der Bahnhof von Wassen ist nicht mehr besetzt. Reisezüge halten hier auch nicht mehr planmässig an. Früher war der Bahnhof ein wichtiger Granitumschlagplatz.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0038.jpg
Die wohl bekannteste Kirche der Schweiz, an der man bei einer Gotthardbahnreise bedingt durch die Kehrtunnelanlage drei mal vorbei fährt.
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Blick vom Kirchberg auf die oberste Kehrschleife. Dieser Zug fährt in Kürze in den nächsten Kehrtunnel, nochmal an der Kirche vorbei, um dann......
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... ganz tief unter der Kirche wieder aufzutauchen.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0042.jpg
Einen herrlichen Ausblick hat man hier.
http://www.homeofthechosen.ch/270908_gottardo/images/dsc_0059.jpg
Ein letzter Blick auf die Kirche und wir verlassen Wassen talwärts ...