PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sparpläne gefährden Sicherheit im Nahverkehr



Larry Laffer
14.10.2009, 14:46
Sparpläne gefährden Sicherheit im Nahverkehr (http://www.derwesten.de/nachrichten/waz/rhein-ruhr/2009/10/12/news-136702890/detail.html)

Erschienen in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung am 13. Oktober 2009.

Als ich den Artikel gelesen habe, mußte ich wieder an meine dauerverspätete Linie 375 denken, die de facto gar nicht mehr benutzbar ist, so groß sind die Verspätungen inzwischen. Inzwischen weiß ich auch, warum die Bogestra dort nicht selbst fährt, sondern Subunternehmer, eines der Subunternehmer, u.a. die Firma Killer-Reisen. Die Tarifverträge der Bogestra untersagen dermaßen kurze Pausenzeiten an den Endstellen, wie sie auf der Linie 375 vorherrschen. Am Wartenberg in Witten steht der Bus zehn Minuten, das reicht natürlich vorne und hinten nicht um Verspätungen von 30-45 Minuten und mehr aufzuholen, an der Ruhr-Universität Bochum gar nur zwei Minuten und das obwohl die Bogestra dort, anders als am Wartenberg, Aufenthalts- und Sanitärräume zur Verfügung stellt. Selbst wenn der Bus pünktlich ankommt, wird er mit Verspätung abfahren, wenn der Fahrer mal muß.

Kurzum: der ÖPNV wird vor lauter Sparzwang unattraktiv, unzuverlässig und einfach schlechter. Die Bogestra bildet da im großen und ganzen (und primär außerhalb des Ennepe-Ruhr-Kreises) noch eine Ausnahme, aber was ich z.B. regelmäßig bei den Dortmunder Stadtwerken erlebe spottet jeder Beschreibung.

Beispiel: Ich warte abends am Bf Dortmund-Marten Süd auf die Straßenbahnlinie 404 (heute U44). Um 20.00, 20.15 und 20.30 soll eine fahren. Als um 20.30 immer noch keine da ist, rufe ich die Nummer an, die auf dem Fahrplan vermerkt ist. Ein Telefonist sagt mir, ich solle warten, bis ein Bus kommt und den Busfahrer bitten, bei der Leitstelle nachzufragen.

Anderes Beispiel: Ich stehe da abends mit vier Leuten und die Straßenbahn, fünf Minuten verspätet, fährt vorbei ohne anzuhalten. Auch eine Form von Verspätung aufholen.

sven0403
14.10.2009, 14:57
Kurzum: der ÖPNV wird vor lauter Sparzwang unattraktiv, unzuverlässig und einfach schlechter.

Wir Bahner könnten jetzt sagen, siehste haben wir doch vorher gewusst.

Doch das ist wohl zu einfach aber du wirst schon noch drauf kommen warum das so ist.......:039:

Privatisierung, Geld verdienen müssen, Manager zu hoch und Normalos zu niedrig entlohnt, Einsparungen bei der Wartung (Siehe S-Bahn Berlin) ==> Demotivation der MA, das passiert wenn nach gängiger Ausschreibungspraxis immer nur das Billigste vom Billigen genommen wird.

Wen interessiert schon noch ob du von der Straßenbahn mitgenommen wirst oder ob sie überhaupt kommt, du kannst dich ja beschweren und bekommst dafür einen schönen Formbrief und einen Gutschein, nur der nutzt ja nichts wenn die Glocke nicht kommt :24:

Alles Methode !

Gruß Sven

Larry Laffer
14.10.2009, 22:32
Naja, von Privatisierung ist ja keine Rede. Aber wir haben hier in diesem Forum vor ein paar Wochen in einem anderen Thread lernen müssen, daß die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt Düsseldorf dem Anspruch anhängen, ÖPNV müsse einen Kostendeckungsgrad von 100% haben, also "umsonst" sein. Das geht aber nicht. Teilweise wird der hohe Kostendeckungsgrad der Rheinbahn dadurch erkauft, daß in unserer Hauptstadt Straßenbahnen rumfahren, die anderswo seit Jahrzehnten im Museum stehen. Tatsächlich hat die Rheinbahn Straßenbahnen im Regelbetrieb, von denen ähnliche Modelle bei der Bogestra seit längerem im Besitz der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft sind. Von Bremsenergierückgewinnung oder ähnlichem keine Rede.

Übrigens: Du weißt ganz genau selbst, daß die S-Bahn Berlin ohne Ausschreibung vergeben worden ist.

AOG
15.10.2009, 08:12
Naja, von Privatisierung ist ja keine Rede. Aber wir haben hier in diesem Forum vor ein paar Wochen in einem anderen Thread lernen müssen, daß die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt Düsseldorf dem Anspruch anhängen, ÖPNV müsse einen Kostendeckungsgrad von 100% haben, also "umsonst" sein. Das geht aber nicht.Das dies nicht geht, weiß auch die Stadt Düsseldorf. Das Bestreben der Rheinbahn ist es aber, den Fehlbetrag so niedrig wie möglich zu halten.

Teilweise wird der hohe Kostendeckungsgrad der Rheinbahn dadurch erkauft, daß in unserer Hauptstadt Straßenbahnen rumfahren, die anderswo seit Jahrzehnten im Museum stehen. Tatsächlich hat die Rheinbahn Straßenbahnen im Regelbetrieb, von denen ähnliche Modelle bei der Bogestra seit längerem im Besitz der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft sind. Von Bremsenergierückgewinnung oder ähnlichem keine Rede. Du weißt sicher auch, dass nach Fertigstellung der Wehrhahnlinie (http://www.duesseldorf.de/wehrhahnlinie/index.shtml) die alten gelben GT8 (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cd/Gt6-rheinbahn.jpg) verschwinden werden.

sven0403
15.10.2009, 10:35
Übrigens: Du weißt ganz genau selbst, daß die S-Bahn Berlin ohne Ausschreibung vergeben worden ist.


Ja das weiß ich, aber hier ging es allgemein darum, das Sparpläne eventuell die Sicherheit gefährden könnten.

Ich habe meine Meinung aufgezeigt warum dieser ganze Privatisierungswahn unweigerlich solche Probleme produzieren muss.

Und trenne dich bitte von dem Gedanken, das nur die Landesregierung in Düsseldorf solche irren Gedankenspiele betreibt, es gibt eben noch andere Bundesländer mit ähnmlichen Problemen.

Gruß Sven

Tobias
15.10.2009, 17:35
Inzwischen weiß ich auch, warum die Bogestra dort nicht selbst fährt, sondern Subunternehmer, eines der Subunternehmer, u.a. die Firma Killer-Reisen. Die Tarifverträge der Bogestra untersagen dermaßen kurze Pausenzeiten an den Endstellen, wie sie auf der Linie 375 vorherrschen.

Nun die Tarifverträge eher nicht. Die Unternehmen müssen sich an die Arbeitszeitordnung halten. Der Fahrer braucht die Pause in festgelegten Abschnitten. Die Pause an der Endstation ist da eher nebensächlich. Bei Straßenbahns durfte die nur eingerechnet werden wenn die Netto Pause an der Endstation mindestens ein Achtel der Dienstzeit ausmachte. Kann das nicht eingehalten werden muß dem Fahrpersonal in regelmäßigen Abständen eine Pause gewährt werden. Ob da ein Pausenraum da sein muss weiss ich nicht mehr.

Gruß Tobias

AOG
15.10.2009, 18:29
Eine angemessene Bezahlung für Bus- und Straßenbahnfahrer halte ich für selbstverständlich, auch eine den gesetzlichen Bestimmungen gemäße Lenkzeit- und Pausenregelung. Aber auch bei der Rheinbahn in Düsseldorf gab es Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten.

Das die Fahrer von Subunternehmern anders bezahlt werden, liegt einfach daran, dass die Gewerkschaft mit privaten Busunternehmern andere Verträge abgeschlossen hat. Aber das kennt ihr ja auch bei der Eisenbahn.

Es ist also nicht die Privatisierung, sondern die falsche Tarifpolitik der Gewerkschaften. Sie stammt aber noch aus der Zeit, als die ÖTV (http://de.wikipedia.org/wiki/Gewerkschaft_%C3%96ffentliche_Dienste,_Transport_u nd_Verkehr) für das Personal im öffentlichen Dienst (aber auch für die Mitarbeiter privater Busunternehmen) verantwortlich war.
(Zitat aus Wikipedia) Von 1964 an war er Vorsitzender der ÖTV, die damals 1,4 Mill. Mitglieder hatte. Bei seinem Amtsantritt war der 39-Jährige jüngster Gewerkschaftschef Deutschlands. Er konnte in harten Tarifkämpfen weitreichende und wegweisende Tarifabschlüsse erzielen. Dazu gehörte die Einführung der 40-Stunden-Woche und des 13. Monatsgehalts im Öffentlichen Dienst. 1974 führte er den heftigsten Streik des Öffentlichen Dienstes: mit einem dreitägigen Streik der Müllwerker und Straßenbahner erreichte die ÖTV gegen den Willen von Bundeskanzler Willy Brandt eine Tariferhöhung von 11%. Beide verneinten aber, dass dies zu Brandts Rücktritt beigetragen hätte.Die Mitarbeiter privater Busunternehmen blieben im Regen stehen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Blockwärter
15.10.2009, 18:36
Teilweise wird der hohe Kostendeckungsgrad der Rheinbahn dadurch erkauft, daß in unserer Hauptstadt Straßenbahnen rumfahren, die anderswo seit Jahrzehnten im Museum stehen. Tatsächlich hat die Rheinbahn Straßenbahnen im Regelbetrieb, von denen ähnliche Modelle bei der Bogestra seit längerem im Besitz der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft sind. Von Bremsenergierückgewinnung oder ähnlichem keine Rede.
.
Wie lange war doch die Nutzungsdauer von Straßenbahnen ? 40-50 Jahre? Du kannst doch froh sein , das man die Wagen nicht gleich verschrottet hatte. Da die Nachfolgetypen,ähnliche Komponenten wie Combinos haben. Waren etliche Fahrzeuge zur Sanierung, besser eine alte Bahn als wenn der ganze Kurs ausfällt !
Wenn du sämtliche Fahrzeuge ohne Energierückgewinnung verteufeln willst , würde es mit dem ÖPNV in Deutschland noch schlechter aussehen.

AOG
15.10.2009, 19:19
Waren etliche Fahrzeuge zur Sanierung, besser eine alte Bahn als wenn der ganze Kurs ausfällt !
Nun ja, Siemens und die Rheinbahn haben ja darüber gestritten, ob die Risse nicht durch das teilweise alte Schienennetz verursacht wurden. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, waren auch nur die NF10 betroffen. Aber auch ohne diese Sache war der Planeinsatz der Großen Gelben bis zur Fertigstellung der Wehrhanlinie vorgesehen.

Blockwärter
15.10.2009, 21:44
Nun ja, Siemens und die Rheinbahn haben ja darüber gestritten, ob die Risse nicht durch das teilweise alte Schienennetz verursacht wurden. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, waren auch nur die NF10 betroffen. Aber auch ohne diese Sache war der Planeinsatz der Großen Gelben bis zur Fertigstellung der Wehrhanlinie vorgesehen.
Genau , dafür geht die Nachfolgeserie GT8S dafür erst mal in Rente , da es da zu Ersatzteilmangel kommt.

Larry Laffer
16.10.2009, 00:23
Nun die Tarifverträge eher nicht. Die Unternehmen müssen sich an die Arbeitszeitordnung halten.

Doch! Die gesetzliche Arbeitszeitordnung ist schön und gut - sie schließt aber nicht aus, daß es weitere Betriebsvereinbarungen gibt.

@ AOG

Schön wäre es. Tatsächlich ist, wie wir hier erfahren mußten, in der Landeshauptstadt Düsseldorf (die zwar Sitz der Landesregierung ist, von dieser aber nicht verwaltet wird) der Anspruch da, den ÖPNV mit einem 100%igen Kostendeckungsgrad zu betreiben. Und das geht nicht! ÖPNV kostet nunmal Geld. Die Autofahrer werden sich bedanken, denn den meisten ist klar, daß der ÖPNV den Verkehrsinfarkt verhindert.

Bahn-Beobachter
16.10.2009, 23:09
Ich meine, nicht nur Düsseldorf spinnt,

Ich darf eine Teil des Arbeitsweges mit der Linie 97 von MG machen.
In den letzen Tagen war es Ziemlich kalt, einige Fahrgäste so auch ich Beschwerten uns das die Heizung aus war. Antwort des Fahrers: "Mein Chef hat mich angewiesen die Heizung aus zu lassen weil das Sprit kostet".

Also habe alle Fahrgäste gefrohren, soviel zum Thema geiz ist geil.
Ach so, die Hotline der Möbus konnte mir nicht helfen da die Linie Sub-Vergeben ist.

mfg

Ralf

sven0403
17.10.2009, 08:20
Ach so, die Hotline der Möbus konnte mir nicht helfen da die Linie Sub-Vergeben ist.

mfg

Ralf


Prima Trick und so läuft auch noch jede berechtigte Beschwerde ins Leere !

Gruß Sven

Larry Laffer
18.10.2009, 15:28
Tja, da hätte die Möbus mal dafür sorgen müssen, daß die Verträge etwas straffer formuliert sind. Pflicht zur Klimatisierung im Sommer und Pflicht zur Beheizung im Winter.

Bahn-Beobachter
18.10.2009, 15:38
Tja, da hätte die Möbus mal dafür sorgen müssen, daß die Verträge etwas straffer formuliert sind. Pflicht zur Klimatisierung im Sommer und Pflicht zur Beheizung im Winter.

Ich behaupte mal, wenn der Vertrag ohne Heizung billiger ist wird der genommen.
Ich meine das es im VRR immer mehr um sich greift die Fahrgäste zu vergrauelen.
Ich ja auch kein Wunder, die Regionalisierungsmittel werden gekürzt, jeder Fahrgast kostet Subventionen.

Deshalb gilt: Weniger Fahrgäste = Weniger Subventionen
=> mehr Geld für den Strassenbau.

mfg

Ralf

Tequila
19.10.2009, 02:58
Ich behaupte mal, wenn der Vertrag ohne Heizung billiger ist wird der genommen.
Ich meine das es im VRR immer mehr um sich greift die Fahrgäste zu vergrauelen.
Ich ja auch kein Wunder, die Regionalisierungsmittel werden gekürzt, jeder Fahrgast kostet Subventionen.Nur hat der Busverkehr nichts mit den Regionalisierungsmitteln zu tun (diese dienen nur dem EBO-Verkehr), der wird aus Gemeinde- bzw. Landkreismitteln bezahlt.

Wobei die allerdings auch nicht so üppig sein dürften...

Larry Laffer
19.10.2009, 14:42
Und bevor das auch noch verwechselt wird: Die Zweckverbände sind nur Aufgabenträger für den SPNV. Für Bus- und BOStrab-Verkehr sind die Kreise und kreisfreien Städte zuständig.